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Hachborn

Kirchen, Gebäude, Friedhöfe
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Vielleicht hatte schon die ortsadlige Familie des Volpertus von Hachborn, der 1151 die Kirchengründung der Beltershäuser Standesgenossen bestätigte, ein eigenes Gotteshaus. Sie könnte es, wie dies mancherorts üblich war, auf dem Vorgelände des Adelshofes errichtet haben. Die so angeordneten Bauten wären dann einfach weiter genutzt worden, als der spätere Besitzer Giso von Merenberg durch seinen Bruder Hartrad das Gut für eine Niederlassung der Prämonstratenser bereitstellen ließ. Das würde auch erklären, warum die Kirche des Stiftes abseits von seinem Wohn- und Wirtschaftskomplex stand.

Diese Anordnung blieb auch erhalten, nachdem ein Brand 1252 größere Baumaßnahmen am Hachborner Stift erforderlich gemacht hatte. Damals wurde wohl die Kirche in einem Zug und eilends neu aufgeführt: Man verbaute die nächstbesten, meist recht kleinen Bruchsteine mit einem gelblichen Kalkmörtel und zog diesen auch gleich innen wie außen über die Wände. Ihre Öffnungen und Ecken erhielten eine rote Ummalung. Reste davon lagen frei, als 1990 während der Außenrenovierung alle späteren Putzschichten abgenommen waren. Nun zeigte das Mauerwerk auch, dass die Kirche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit mehr Bauteilen entstanden war, als heute noch erhalten sind. So wiesen rundbogige, später zugesetzte Durchgänge auf ein südliches Seitenschiff und Nebenräume am Turm, der noch Löcher von ihren Deckenbalken hatte. Der Chor befand sich ursprünglich nicht oder nicht nur hier, sondern war nach Osten hin angebaut. In der Turmwand konnte man deutlich einen vermauerten Bogen erkennen, dessen Form und Abmessungen genau dem entsprechen, der sich im Innenraum zum Schiff öffnet.

Der Turmaufbau besteht aus einem vielfach veränderten Fachwerk, von dem aber zumindest Teile der Glockenstube mit verblatteten Balken noch aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Über die Innenausstattung dieser vorreformatorischen Zeitberichten einige Urkunden. So wurde mit der 1370 erfolgten Schenkung des Adolf Rau von Nordeck ein Ewiges Licht unterhalten, das ,,vor dem Marienaltar zwischen den zwei Altären rechts" brennen sollte. Einer dieser Altäre war vielleicht Johannes dem Täufer geweiht, dem Patron der Kirche. Von 1439 bis 1441 erhielt ein neu errichteter Nikolausaltar mehrere Stiftungen. Dass man hier diesen Schutzheiligen der Kaufleute verehrte, könnte damit zusammenhängen, dass Hachborn an einer alten Fernstraße lag und mancher Handelsmann in der Kirche des Stiftes für den erfolgreichen Verlauf seiner Geschäftsreise beten wollte. Auch die einheimische Bevölkerung wurde von der Ordensniederlassung seelsorgerisch betreut. Sie hatte nach einem Vertrag von 1210 mit dem Mainzer St.-Stephans-Stift, der zuständigen übergeordneten Kirchenbehörde, das Recht zur Verwaltung der großen Pfarrei Ebsdorf. Das Hachborner Stift besetzte dieses Amt dann jeweils mit seinem geistlichen Leiter, dem Propst. Ihm kamen Würde und Geld der Stelle zu, die er aber nicht selbst versehen musste. Dafür wurden schlecht bezahlte Hilfsgeistliche eingestellt. Ein solcher Kaplan Nikolaus trat 1429 auf, um1500 ein gleichnamiger Nachfolger. Mit der Reformation endeten zwar diese Verhältnisse, doch die evangelischen Pfarrer von Ebsdorf wohnten noch für ein halbes Jahrhundert im ehemaligen Stift Hachborn, und die Sonderstellung der Gemeinde innerhalb des Kirchspiels blieb auch danach gewahrt. Sie behauptete ihren Anspruch auf den ersten Gottesdienst an allen Sonn- und Feiertagen.

 Die Verlegung der Unterkunft des Geistlichen nach Ebsdorf betrieb Hans Scheuernschloß, der das aufgehobene Stift Hachborn als hessisches Lehen erhalten hatte und zum Adelssitz ausbaute. Die Kirche versah er mit Werken von Künstlern, die auch für seinen Dienstherrn Landgraf Ludwig IV. in Marburg tätig waren. So schuf wohl Hieronymus Leippoldt, der aus Würzburg stammte und 1568  zum Hofmaler berufen wurde, das Epitaph der Familie Scheuernschloß. Hans, seine Eltern und Geschwister sind hier anbetend vor dem auferstandenen Christus dargestellt. Sprüche aus Luthers ,,Christlichen Gesängen, lateinisch und deutsch, zum Begräbnis" runden das auf Holz gemalte Ölbild von 1569 ab. Ein signiertes Werk des Marburger Bildhauers Melchior Atzel ist das Denkmal für Anna, die 1569 verstorbene Schwester des Hans Scheuernschloß. Für ihn wurde dann nach seinem Tod 1593 der Stein seiner Mutter (11550) umgedreht und zweitverwendet.

Nachdem das Hachborner Gotteshaus im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und sehr baufällig geworden war, erfolgte ab 1695 eine Erneuerung in barocker Farbigkeit. Daran erinnert eine Tafel mit dem Bildnis des damaligen Pfarrers Heuser, die ein nicht näher bekannter Maler Elamer schuf und signierte. Von ihm stammen wohl auch die Darstellungen von Aposteln und biblischen Szenen an der Empore, deren Holzwerk älter ist und ursprünglich nur bis zum Chorbogen reichte. Drei der später überstrichenen Bilder wurden 1993/94 freigelegt. Noch aus der Zeit vor der barocken Ausgestaltung stammen das spätmittelalterliche Altarkruzifix und der im 16. Jahrhundert entstandene Kanzelkorb, der um 1680 einen Schalldeckel mit Knorpelornamenten erhalten hatte und nun der neuen, einheitlichen Farbgebung angepasst wurde: Rote und blau-weiße Marmorierungen prägten neben Schwarz- und Ockertönen den Raum. Ein aufgemalter Himmel schmückte die Decke, deren Unterzug einst wohl auf einer Holzsäule ruhte. Dass die Kirche im Inneren damals sehr harmonisch gewirkt haben muss, läßt sich nach der Restaurierung von 1982 wieder erahnen. 1838 wurde das Schiff um etwa 5 m nach Westen verlängert. Dabei gab man auch den Fenstern eine neue Form und Verglasung.

Zunehmende Probleme bereitete die Orgel, ein kleines Positiv, das nach Meinung des Pfarrers Kolbe 1862 schon sehr alt und schadhaft war und ,,besonders bei Witterungswechsel mehr zur Störung, als zur Förderung der Andacht" diente. So gab man bei dem Orgelbauer Peter Dickel aus Treisbach ein neues Instrument in Auftrag, das er im folgenden Jahr aufstellte. Das Gehäuse dieser Orgel wurde 1973 stark verstümmelt und mit einem Werk der Firma Böttner/Frankenberg versehen.

Da von den Glocken aus den Jahren 1629, l7 15 und I 837 zwei für Kriegszwecke abgegeben werden mussten, schaffte die Gemeinde bald nach der Währungsreform ein neues, vierstimmiges Geläut an. Es wurde am 16.4.1949 eingeweiht und ist seither wegen seiner außergewöhnlichen Klangschönheit, die so von Stahlglocken nur selten erreicht wird, bei Experten und vor allem der Bevölkerung sehr geschätzt. 

nach Peter Unglaube in: Hachborn und Ilschhausen Band I, Menschen und Häuser 1995


(mit Fotos von Karl Ernst Rotter)

(mit Fotos von Karl Ernst Rotter)
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